Artikel
Wollen Sie mehr als eine fleißige Biene sein?
Freitag, den 29. Juli 2011

Artikel von Michael Paul Herbst
erschienen in
Die Unternehmerin
Zeitschrift des Verbandes
deutscher Unternehmerinnen (VdU)
Die Unternehmerin, Ausgabe 01_2011 Seite 16_17
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TRENDSTORY MEETS JETZTZEIT-STORY
Mittwoch, den 12. Mai 2010
…ZEIT KAUFEN.
Donnerstag, den 11. Juni 2009
Weihnachten ist vorbei und Neujahr auch. Immer ist etwas vorbei. Und wenn etwas immer vorbei ist, überlegen wir, ob das Gewesene gut für uns war, ob unsere Wünsche in Erfüllung gingen oder ob sich unsere Pläne gegenüber der Zeit behaupten konnten. Dann merken wir plötzlich, wie sie vergeht, die Zeit. Ja, ja, die Zeit ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Sie ist uns zum Problem geworden und sie ist uns aus den Händen geglitten. Wir haben zu nichts mehr Zeit. Aber das soll jetzt anders werden, denn ich habe von einer genialen Idee gehört.
Wir kaufen einfach Zeit ein. Wir handeln mit ihr. Wir machen sie zum Tauschobjekt. Zehn Minuten für einen Euro, meinetwegen.
Wir werden Zeitkarten in der Tasche haben und sie durch einen Schlitz ziehen. Das Geld wird abgebucht und die Uhr nach hinten gestellt. Sagenhaft. Zum Geburtstag schenkt man sich, hübsch in eine uhrenförmige Dose verpackt, eine Stunde oder einen ganzen Tag. Und wer Omega-Uhren kauft, nimmt am „TIMES AND MORE” Programm teil. Die Rabattzeit könnte eingeführt werden. Bei REWE gibt es ab 10 Euro Einkauf eine Minute geschenkt. Auf den Straßen würden Zeitbettler herumrennen, junge Männer in dunkelgrauen McKinsey-Anzügen, mit Bettelbechern aus alten, rostigen Uhrengehäusen. „Haste mal ´ne Sekunde?” Bei Günther Jauchs „Wer wird Zeitmillionär?” gäbe es dann die 10- bis 1.000.000-Sekunden-Frage wie: „Wie nutze ich meine Zeit richtig?” – oder so ähnlich. Es würde Zeitmillionäre geben, Menschen, die nie etwas eilig tun müssten. Puh! Riecht verdammt wieder nach Zweiklassen-Gesellschaft. Doch was macht das schon. Kennen wir doch irgendwie. Also weiter im Text.
Morgens, wenn wir den Tag planen, schlagen wir To-Do-Pflöcke in die 16 bis 18 Stunden, die uns zum Wachbleiben bleiben. Dann eilen wir hektisch von Pflock zu Pflock. Oft kommen wir nicht pünktlich an, und falls doch, haben wir in der Enge der Zeitspanne irgendetwas nicht geschafft: nicht angerufen, nicht zurückgerufen, nicht abgeschickt oder unsere Versprechen nicht gehalten. Wir hatten einfach keine Zeit. Denn die Zeit läuft uns stets davon. Sie löst sich auf, und wir können nie genau sagen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Die Zeit macht keine Pause. Sie hockt sich auch nicht hin und trinkt ein Bier oder so, auch schläft sie nicht und sie friert auch nicht ein, wie es das sonst ewig laufende Wasser des Rheins im Winter manchmal tut. „Oh Gott, wie die Zeit vergeht”, geht uns durch den Kopf. Stunde um Stunde. Uhren werden zu Klagemauern, Zeitplaner zur Farce. Dann lieber Zeit kaufen, denn was wir kaufen, gehört uns. Demnächst sollen sogar schon die ersten Zeitkreditbanken und Zeitbörsen ihr Geschäft mit der Zeit eröffnen. Dann gibt es DAXZEIT und DOW JONES ZEIT. Wahnsinn! Da werden natürlich Spezialisten gebraucht, die die Zeit für uns managen. Aber auch dafür ist schon gesorgt. Aus European Business Schools werden European Time Schools. Aus MBAs MTAs. MASTER OF TIME ADMINISTRATION, heißt der akademische Grad der Zukunft. Schöne Zeiten also, die da auf uns zukommen. Zeit ist die neue Währung. Und die ist nicht mehr aufzuhalten. Man muss also schon sehr reich sein, um Zeit immer kaufen zu können. Und wer nicht reich ist? Na ja, der ist eben arm dran. Kein Geld, keine Zeit. So ist das Leben. Mein Gott, wo soll das nur hinführen? Ich glaube, es ist doch keine so geniale Idee, Zeit einfach kaufen zu können. Oder?
Ihr
Michael Paul Herbst
Düsseldorf im Mai 2009
Wir kaufen einfach Zeit ein. Wir handeln mit ihr. Wir machen sie zum Tauschobjekt. Zehn Minuten für einen Euro, meinetwegen.
Wir werden Zeitkarten in der Tasche haben und sie durch einen Schlitz ziehen. Das Geld wird abgebucht und die Uhr nach hinten gestellt. Sagenhaft. Zum Geburtstag schenkt man sich, hübsch in eine uhrenförmige Dose verpackt, eine Stunde oder einen ganzen Tag. Und wer Omega-Uhren kauft, nimmt am „TIMES AND MORE” Programm teil. Die Rabattzeit könnte eingeführt werden. Bei REWE gibt es ab 10 Euro Einkauf eine Minute geschenkt. Auf den Straßen würden Zeitbettler herumrennen, junge Männer in dunkelgrauen McKinsey-Anzügen, mit Bettelbechern aus alten, rostigen Uhrengehäusen. „Haste mal ´ne Sekunde?” Bei Günther Jauchs „Wer wird Zeitmillionär?” gäbe es dann die 10- bis 1.000.000-Sekunden-Frage wie: „Wie nutze ich meine Zeit richtig?” – oder so ähnlich. Es würde Zeitmillionäre geben, Menschen, die nie etwas eilig tun müssten. Puh! Riecht verdammt wieder nach Zweiklassen-Gesellschaft. Doch was macht das schon. Kennen wir doch irgendwie. Also weiter im Text.
Morgens, wenn wir den Tag planen, schlagen wir To-Do-Pflöcke in die 16 bis 18 Stunden, die uns zum Wachbleiben bleiben. Dann eilen wir hektisch von Pflock zu Pflock. Oft kommen wir nicht pünktlich an, und falls doch, haben wir in der Enge der Zeitspanne irgendetwas nicht geschafft: nicht angerufen, nicht zurückgerufen, nicht abgeschickt oder unsere Versprechen nicht gehalten. Wir hatten einfach keine Zeit. Denn die Zeit läuft uns stets davon. Sie löst sich auf, und wir können nie genau sagen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Die Zeit macht keine Pause. Sie hockt sich auch nicht hin und trinkt ein Bier oder so, auch schläft sie nicht und sie friert auch nicht ein, wie es das sonst ewig laufende Wasser des Rheins im Winter manchmal tut. „Oh Gott, wie die Zeit vergeht”, geht uns durch den Kopf. Stunde um Stunde. Uhren werden zu Klagemauern, Zeitplaner zur Farce. Dann lieber Zeit kaufen, denn was wir kaufen, gehört uns. Demnächst sollen sogar schon die ersten Zeitkreditbanken und Zeitbörsen ihr Geschäft mit der Zeit eröffnen. Dann gibt es DAXZEIT und DOW JONES ZEIT. Wahnsinn! Da werden natürlich Spezialisten gebraucht, die die Zeit für uns managen. Aber auch dafür ist schon gesorgt. Aus European Business Schools werden European Time Schools. Aus MBAs MTAs. MASTER OF TIME ADMINISTRATION, heißt der akademische Grad der Zukunft. Schöne Zeiten also, die da auf uns zukommen. Zeit ist die neue Währung. Und die ist nicht mehr aufzuhalten. Man muss also schon sehr reich sein, um Zeit immer kaufen zu können. Und wer nicht reich ist? Na ja, der ist eben arm dran. Kein Geld, keine Zeit. So ist das Leben. Mein Gott, wo soll das nur hinführen? Ich glaube, es ist doch keine so geniale Idee, Zeit einfach kaufen zu können. Oder?
Ihr
Michael Paul Herbst
Düsseldorf im Mai 2009
